Rupprecht Geiger ( 1908-2009)

»Immer schon hat mich die strenge einfache Form interessiert. In Skizzenbüchern sind kubische fensterlose Bauten, weiß vor tiefblauem Himmel oder Meer, die Motive gewesen. … Er [Eduard Pfeiffer] lehrte das Einfache, das nicht Überladene, um damit größte Wirkung zu erzielen. … Heute weiß ich, daß ich mich nach meinem Absprung von der Architektur zur Malerei diesen Gesetzen wieder verpflichtet fühlte. Ich glaube, hier liegt die Erklärung für die formale Strenge meiner heutigen Bilder.«

Münchner Maler Geiger: Bis ins hohe Alter aktiv Rupprecht Geiger in seinem Atelier in München.

Bis ins hohe Alter hatte er in seinem Atelier in der bayerischen Landeshauptstadt gearbeitet – zuletzt an Collagen. Für die Selbstständigkeit der Farbe im Kunstwerk hat der viermalige Documenta-Teilnehmer immer gekämpft. Die Farbe Rot galt als das Manifest des Malers. Rot zieht sich in einzigartiger Konsequenz und Klarheit durch sein Lebenswerk, ohne jemals der Monotonie zu verfallen.

Zum 100. Geburtstag hatte das Münchner Lenbachhaus dem Maler 2008 eine große Retrospektive gewidmet. An der Konzeption der Ausstellung hatte Geiger noch selbst mitgewirkt. Abgeflachte Kreise oder Rechtecke aus leuchtendem Rot, Gelb oder Magenta ziehen den Betrachter förmlich in die Bilder hinein. „Farbe ist Energie“, sagte Geiger. Rot war für ihn dabei die gesamte Skala der roten Farbe vom hellsten Gelb bis ins tiefste Violett. Seine Kunst scheint der Zeit entrückt, Geiger selbst keiner Kunstrichtung zuzuordnen.

An die Münchner Akademie wurde Geiger nie berufen. Dafür lehrte er von 1965 bis 1975 als Professor für Malerei an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Kollegen waren Joseph Beuys und Gerhard Richter. In München war es in den 1970er Jahren dagegen fast ein Skandal gewesen, als der damalige Direktor der Städtischen Galerie im Lenbachhaus, Armin Zweite, gegen Widerstände im Stadtrat ein Gemälde Geigers erworben hatte.

Werken Geigers begegnet man in München dennoch auf Schritt und Tritt: So schuf er 1951 das Plattenmosaik an der Fassade des Hauptbahnhofs. Das große blaue Rad vor dem Gasteig („Gerundetes Blau“, 1987) stammt ebenfalls von ihm. 2002 vertrat Geiger Deutschland auf der Biennale von São Paulo in Brasilien.

Das 2003 erschienene Werksverzeichnis des Künstlers musste bereits um eine Broschüre der jüngsten Arbeiten erweitert werden. Farbe ist für Geiger eine Kraftquelle. „Rot ist Leben, Energie, Potenz, Macht, Liebe, Wärme, Kraft. Rot macht high“, sagte er. „Ein Leben ohne Farbe kann ich mir nicht vorstellen.“

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