Jan Henderikse

Der in Antwerpen und New York lebende und arbeitende Jan Henderikse zählt zu den wichtigsten Künstlern der Niederlande. Er wurde jüngst mit Beteiligungen an den großen ZERO-Ausstellungen im New Yorker Guggenheim Museum, im Berliner Martin-Gropius-Buch und im Amsterdamer Stedelijk Museum geehrt. Insbesondere durch seine Assemblagen, Material- und Objektbilder wurde er weltweit bekannt. Prägedrucke wie »Susie und John« gehen auf seine frühen Münzreliefs zurück, wie sie seit 1960 entstehen.

Der Prägedruck »Susie und John«  Ein überzeugendes Kunstwerk von meditativer Kraft

Auf den ersten Blick unterstreicht die Grafik »Susie und John« das fundamental-ästhetische Credo des Künstlers Jan Henderikse – die Verwendung von One-Dollar-Münzen mit der Silhouette der US-amerikanischen Frauenrechtlerin Susan B. Anthony sowie Half-Dollar-Münzen, auf denen die Silhouette des früheren US-Präsidenten John F. Kennedy abgebildet ist, steht in direktem Bezug dazu: »Mich interessiert vor allem das Dekorative im klassischen Sinne. Ein Künstler kann sich dem nicht entziehen. Das meine ich nicht im allgemeinen Sinn – genau betrachtet sind Sentimentalität und Kitsch auch dekorativ. Etwas kann auch in einem dramatischen Sinne dekorativ sein, wie zum Beispiel ein Baseballstadion mit 20.000 Menschen darin oder das Zusammenfügen von vielen gleichen Gegenständen aus dem Alltag, wie Münzen oder Korken.« (Jan Henderikse)

Jan Henderikse setzt auf die meditative Kraft der Masse – und der Ordnung, er spielt mit der Struktur von gleichmäßig auf dem Geviert platzierten Münzen, die etwas Beruhigendes, fast Uniformes hat. Außerdem weist jedes einzelne Prägemotiv eine Art innere Zeichnung, ein Bild-im-Bild, auf: Porträt oder Eagle (Adler). Gleichzeitig ist das Wort »Liberty« zu lesen, die One-Dollar-Münze besitzt zudem 11 das eigentliche Münzbild umschließende Ecken. Die Porträts an sich bezeugen eine weitere Ebene der Arbeit, die der Künstler zwar nicht offen »anspricht«, jedoch »duldet«: bei beiden Figuren handelt es sich um Hoffnungsträger – so gab Susan B. Anthony als erste Frau ihre Stimme bei einer Präsidentschaftswahl ab, was ihr einen Prozess und eine Strafe einbrachte.

Biografie:

Jan Henderikse wird am 22. Januar 1937 in Delft (Niederlande) geboren. Beide Eltern waren Fabrikarbeiter. Er studiert an der Freien Akademie Den Haag.

1952 trifft er seinen späteren Freund und Mentor Jan Schoonhoven. Henderikse beginnt zu malen.

1955 erste Ausstellungsbeteiligung mit der Künstlergruppe De Kring im Museum Het Prinsenhof in Delft.

1958 Auf Hendrikses Initiative findet in der Delfter Universität die erste Ausstellung informeller Kunst statt. Teilnehmer waren u.a. die späteren Gründer der Nederlandse Informele Groep Kees van Bohemen, Henk Peeters, Armando, Jan Schoonhoven sowie Bram van den Boogaard, Rik Jager, Cor de Nobel und Fred Sieger.

1959 Gründung der Nederlandse Informele Groep (Niederländische Informelle Gruppe), die ein knappes Jahr später in die Gruppe nul übergeht, einer parallelen Bewegung zur deutschen ZERO.

Von 1959 bis 1962 lebt Jan Henderikse in Köln, danach bis 1963 in Düsseldorf, wo er neben Gotthard Graubner und Joseph Beuys am Drakeplatz in Oberkassel wohnt. Deutschland kannte Henderikse schon zuvor aus seiner Tätigkeit als „Reiseführer auf einem Rheindampfer“ wie er berichtet.

1960 signiert Henderikse die Oberkasseler Brücke in Düsseldorf.

Zwischen 1963 und 1967 lebt Henderikse auf Curaçao; 1963 erhält er eine Einzelausstellung im Museum Curaçao.

1967/1968 Übersiedelung in die USA (Manhattan/New York); Einzelausstellungen im Museo de Bellas Artes Caracas (Venezuela) und im Stedelijk Museum Amsterdam.

Ab den 1970er Jahren vermehrte Beschäftigung mit Fotografie und Film.

Ende der 1980er Jahre geht Henderikse auf Einladung des DAAD nach Berlin, wo er bis 2000 ebenfalls ein Atelier betreibt.

1992 Vorträge an der Berliner Sommerakademie.

Ausstellungen/Ankäufe:

Werke von Jan Henderikse sind in zahlreichen öffentlichungen Sammlungen vertreten, so u.a. in Stedelijk Museum Amsterdam; Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst, Berlin; Daimler Kunst Sammlung, Stuttgart/Berlin; Museo de Bellas Artes, Caracas; Stedelijk Museum Het Prinsenhof, Delft; DOK Delft; Stedelijk Van Abbemuseum, Eindhoven; Galerie der Stadt Esslingen, Villa Merkel, Esslingen; Groninger Museum, Groningen; Kunsthalle Kiel; Berardo-Museum, Lissabon; Bayerische Staatsgemäldesammlung, Sammlung Moderne Kunst in der Pinakothek der Moderne, München; Museum Het Valkhof, Nijmegen; Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam; Staatsgalerie Stuttgart; Staatliches Museum Schwerin; Centraal Museum Utrecht.

Jan Henderikse lebt und arbeitet heute in Brooklyn/New York und Antwerpen.

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