Harald Björnsgard teilt seine Arbeit nach Jahreszeiten ein. Im Sommer fertigt er draußen vor seinem Atelier in Rickelshausen Plastiken aus Stahl, die er in den neuen Arbeiten zu geschlossenen Körpern aneinander schweißt. „Im Winter wird gedruckt“, sagt der Bildhauer, der seit mehreren Jahren hauptsächlich mit Stahl arbeitet.

Das Material fasziniert ihn, Björnsgard erläutert: „Im Vergleich zu Stein ist Stahl flexibler und man baut eine Plastik auf.“ Auch die Druckplatten sind aus Stahl, eine weitere Besonderheit ist ihre Größe. „Drucke sind für mich ein Gegenüber, viele haben zirka meine Größe, das ist ein ganz anderes Erlebnis.“ Die Platten sind zum Teil Reststücke von Skulpturen, die er mit Flex bis hin zu Schweißbrenner verletzt und neu zusammensetzt. Der technische Ablauf ist vergleichbar mit dem einer Radierung, mit Schutzlack überzogen, werden die Platten filigran bearbeitet und nach der Ätzung Druckerfarbe eingearbeitet.

„Die Herausforderung ist das Format“, erklärt Björnsgard. Das bezieht sich auf die Papiergröße, die gleichmäßige Verteilung der Druckerfarbe auf die Druckplatten und die Presse. „Die ist 1,30 Meter breit und hat rund 20 Tonnen Andruckgewicht“, was für Tiefdruckverfahren nötig sei. Die unter der Dusche angefeuchteten Bögen werden über Nacht gepresst und beim Druckvorgang auf die angeordneten Stahlplatten gelegt. Was bei einer Länge von bis zu zwei Metern nur zu zweit geht. Das Papier muss optimal glatt auf die Platten gelegt werden und darf sich nicht verschieben.

Dann käme der große Moment: „Ich habe immer wieder Herzklopfen, auch nach 100 Drucken noch.“ Beim Entfernen des Filzes sei schon an der Rückseite zu sehen, ob sich Falten gebildet haben. „Dann ist das schon Ausschuss, der liegt zwischen 50 bis 70 Prozent.“ Stimmen müssen auch Farbe und Sättigung. Mehr als zwei Bögen am Tag wären gar nicht zu schaffen, die fertigen Drucke müssen schnellstens staubdicht gerahmt werden. Ein aufwändiges Verfahren, aber der Künstler sagt: „Drucken ist ein faszinierendes Abenteuer, man weiß nie, was dabei herauskommt.“

 
 

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